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Bernhard BartaParaiso - Zum Erotischen im Werk des Kristian FenzlKristian Fenzl ist ein Augenmensch. Und das nicht nur weil er das Kind eines oberösterreichi-schen Optikers ist. Intensiv hat sich der Maler, der Kunstuni-Professor, in den letzten Jahren dem Thema Landschaft verschrieben und es ausgekostet. In mediterranen bis eisblauen Farben. Bis hin zur völligen Abstraktion. Weiterlesen ...Norbert MinkendorferKünstler Gestalter Forscher 1984 gründete Kristian Fenzl mit dem Ethnologen Fritz Trupp und dem Sozialpsychologen Norbert Minkendorfer in Linz das interdisziplinäre Institut für Ethno-Design. In Zusammenarbeit mit Künstlern, Architekten und Sozialforschern wurden künstlerische Äußerungen und Gestaltungsformen bei verschiedenen Ethnien untersucht, die in den Designprozess einflossen. Weiterlesen ...Bernhard BartaMaler und KosmopolitDie Sonne senkt sich über dem Meer. Ein Bild aus dem Bilderbuch. Ein Maler bückt sich über 8 Quadratmeter Leinwände, füllt sie mit Lack. Er hält inne und scheint über das Ergebnis zu reflektieren. In der Abendsonne Mallorcas. Dann wird erneut Farbe verteilt. Penibel und konzentriert. Professor Kristian Fenzl ist Weltenbummler. Ein Maler, der Wiener Ausstellungsräume ebenso füllt wie solche in Übersee. New York - New Century Artists, Kyoto - Galerie am Goethe Institut, Palma di Mallorca - Empire Art Galeria. Die Insel ist Fenzls zweite Heimat geworden. Hier unterhält er ein Atelier. Weiterlesen ...Kristian FenzlPionierarbeit im Bereich Design Nach Absolvierung meiner schulischen Ausbildung war ich als freischaffender bildender Künstler autodidaktisch tätig. Gleich nach dem anschließenden Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien kam ich als Postgraduate-Stipendiat an die Universität Stellenbosch in Südafrika. Während meiner Studienzeit hatte ich schon viele außereuropäische Länder auf eher abenteuerliche Weise bereist, so daß es keine besonderen Berührungsängste mit exotischen Ländern gab. Mein Diplom hatte ich dem Thema Brille und Objektbilder gewidmet. Im Rahmen meines Postgraduate-Studiums in Stellenbosch war es daher naheliegend, mich auch hier mit diesen Themen weiter zu beschäftigen. Weiterlesen ...Albert HolzbauerKamerun und die Leidenschaft des Kristian Fenzl Kristian Fenzl ist ein höchst rationaler Mensch. Die Rationalität wird in sehr guter Weise von der marxistisch-leninistischen Soziologie untersucht. Das im Jahre 1990 von Aresin et al. in Ostberlin herausgegebene und somit als Letztfassung anzusehende DDR-Lexikon der Humansexologie verzeichnet dennoch den Begriff der Leidenschaft. Demnach ist Leidenschaft eine heftige Gefühlswallung im Zusammenhang mit einer Sache, einer Situation oder einer Person, die durch die Qualität des Begehrens und Besitzen-Wollens gekennzeichnet ist. Wie bei keiner unserer vielen anderen Reisen trat diese Qualität bei Kristian Fenzl bei der Kamerunreise am stärksten auf. Und das kam so: Weiterlesen ...
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Maler und KosmopolitDie Sonne senkt sich über dem Meer. Ein Bild aus dem Bilderbuch. Ein Maler bückt sich über 8 Quadratmeter Leinwände, füllt sie mit Lack. Er hält inne und scheint über das Ergebnis zu reflektieren. In der Abendsonne Mallorcas. Dann wird erneut Farbe verteilt. Penibel und konzentriert. Professor Kristian Fenzl ist Weltenbummler. Ein Maler, der Wiener Ausstellungs-räume ebenso füllt wie solche in Übersee. New York - New Century Artists, Kyoto - Galerie am Goethe Institut, Palma di Mallorca - Empire Art Galeria. Die Insel ist Fenzls zweite Heimat geworden. Hier unterhält er ein Atelier.Zwei dutzend Leinwände zeigte die renommierte Galerie zuletzt. Ein künstlerisches wie gesellschaftliches Ereignis. Im Zentrum der mallorquinischen Hauptstadt. Kristian Fenzls Arbeitspensum füllt seinen Jahreskalender, rastlos weitet sich sein Aktionsradius. Jener des Malers. Jener des Gestalters von Produkten und Räumen füllt längst Bände an Literatur. Zur künstlerischen EntwicklungSeit jeher (geb. 1946 in Wels) zeichnet und malt Kristian Fenzl. Die Eltern führen in Steyr ein kunstsinniges Haus. Alfred Fenzl sammelt. Afrikanische Stammeskunst. Vorwiegend Masken. Fetische und Trophäen. Er fotografiert ferne Kulturvölker, führt quasi im Nebenberuf das Optikerfachgeschäft. Ausgerüstet bin ich nun wie eine Superfotografin, aber fotografieren kann ich damit nicht, schreibt ihm die weltläufige Filmregisseurin Leni Riefenstahl. Sie holt Rat ein beim Fotografen und Optiker: Sie könnten sich die Tage frei machen um mir Unterricht im Fotografieren zu geben. Vater Fenzl dokumentiert mit Riefenstahl die Nuba des Sudan.Kristian Fenzl inspiriert sich derweil im väterlichen Atelier im ersten Stock. Terrarien und krabbelnde Babykrokodile, Totems und Jagdtrophäen. Umgeben von fremden Kulturen entstehen Kristians erste Zeichnungen.Nach dem Gymnasium und der HTL Steyr wird Fenzl Kunststudent. Er brilliert 1967 an der noch unter dem Einfluss ihres Gründers Oskar Kokoschka stehenden Salzburger Sommer-akademie. Und erhält dafür 1967 und 1968 jeweils den Ehrenpreis der Stadt Salzburg. Dann besucht er die Wiener Akademie (später Hochschule, heute Universität) für angewandte Kunst. Er arbeitet in den Klassen für Malerei von Professor Herbert Tasquil und für Metall-bearbeitung von Professor Franz Hagenauer. Fenzl beeindruckt mit Studentenarbeiten von Extravaganz. In Wien erlebt er in diesem Jahr den aufblühenden Aktionismus hautnah. Schon im Jahrzehnt zuvor trat in Österreich das Informel auf. Protagonisten wie Hans Staudacher, Arnulf Rainer und Maria Lassnig hatten in den fünfziger Jahren aus Paris Tachismus und Art Brut mitgebracht. Mit Malerei um die Malerei zu verlassen hat Arnulf Rainer neue Ansätze postuliert. Auch das Kunstwollen des Studenten Fenzl wandelt sich. Surrealistische Traum-bilder mit Abstraktionstendenz wandeln sich zu völliger Gegenstandslosigkeit. Leinwand und Aquarellblock bleiben dem universellen Gestalter das unverzichtbare Äquivalent. Wer die Stringenz Fenzlscher Entwurfszeichnung erkennt, muss bemerken, welch impulsive Freiheit sich dagegen Fenzl zugesteht. Viel später dann mit der Publikation funktionellen Skulptur schreibt Kristian Fenzls Design-geschichte 1988. Ein österreichisches Kapitel von internationalem Format. Die 1980er und 1990er Jahre bringen Aufträge und Auszeichnungen. Fenzl-Straßenwalzen für VOEST-Alpine, Löschfahrzeuge für Rosenbauer, Extruder für Cincinnati Milacron. Österreichische Staats-preise, international höchste Auszeichnungen, Professuren in Belem (Brasilien) und Linz, Ehrendoktorwürden Fenzls Malerei steht in all den Jahren im fruchtbaren Dialog mit seinem Produktdesign.Zur MalereiDas Movens zu malen ist Fenzl schlicht Lustgefühl. Es manifestiert sich im Malakt selbst, in der freien Geste und farbiger Prädominanz. Bisweilen kostet Kristian Fenzl einen einzigen Tonwert aus. Leuchtend, nuancenreich. Dann wieder werden zwei oder drei Grundtöne fein ponderiert. In großen Formaten zeigt sich der Maler gern vollends im Farbenrausch. Das Bildfeld ist klar definiert, häufig geordnet zum Di- oder Triptychon. Nie bleiben Fenzls Bildräume hermetisch. Sie suggerieren Weiterführung, Konnotationen. In den Gedanken des Betrachters. Man meint sich umgeben von pittoresken Felsen und erdigen Klüften, arktischen Eisfeldern oder luftigen Himmeln. Landschaftsähnliche Fragmente herrschen im Bild vor. Denn statt sie zu konkretisieren nähert sich der Maler der Landschaft bloß an. Fernab naturalistischer Schilderung.Die freie Geste ist dem Maler wie erwähnt wesentlich. Fenzls Werkzeuge sind Lacke. Fein gelöst werden sie direkt aus der Dose gespritzt, dann wieder dicht, beinahe verkrustet gespachtelt oder in Strängen, akribischen Farbteppichen angelegt. Verdichtung der Malfläche ergibt sich wie von selbst. Fenzl lässt Farben in unterschiedlichen Rinnsalen ineinander fließen, vermischt sie zu amorphen Kleksen. Eine künstlerische Methode, der sich bereits das amerikanische Action Painting (Jackson Pollock, Sam Francis) als auch das deutsche (Emil Schuhmacher) und französische Informel (Georges Mathieu) bedient haben. Im Gegensatz zu Werken des klassischen Informel, teils vor Publikum inszeniert, schafft Fenzl seine Malerei privatim. Fernab der Öffentlichkeit. Inspiriert von Orten die er genießt und liebt. Mallorca, Südamerika, Wien, der Linzer Pöstlingberg.Fenzl ist also ein Maler zwischen Natureindruck und Abstraktion. Einer, der sich an Landschaften inspiriert. Mit schöpferischem Impetus und Intuition. Ein Hedoniker im antiken Sinn, der den Schaffensakt lustvoll genießt. Dies zeigt seine Malerei.Bernhard Barta, 2009Bernhard BartaMag. Dr., Studium der Kunstgeschichte und Kunstpädagogik in Salzburg und Linz. Mehrere Jahre tätig für das Kunst Haus Wien und das Lentos Kunstmuseum Linz. Seit 2003 freier Autor, Kurator und Kunstjournalist. Mitglied des Kuratorenteams der Oberösterreichischen Landesausstellung Salzkammergut 2008. Zahlreiche Publikationen, u.a. Das Malschiff Österr-eichische Künstlerkreise der Zwischenkriegszeit (2007), sowie Künstler & Kaiser im Salzkammergut (2008) und Linz Panorama der Kulturhauptstadt (2009) im Christian Brandstätter Verlag.zurück
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Tuschezeichnung
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Paraiso - Zum Erotischen im Werk des Kristian FenzlKristian Fenzl ist ein Augenmensch. Und das nicht nur weil er das Kind eines oberösterreichi-schen Optikers ist. Intensiv hat sich der Maler, der Kunstuni-Professor, in den letzten Jahren dem Thema Landschaft verschrieben und es ausgekostet. In mediterranen bis eisblauen Farben. Bis hin zur völligen Abstraktion. Die neueste Werkgruppe Paraiso bedeutet tatsächlich eine klare Zäsur in seiner Entwicklung. Fenzl ordnet seinen Landscapes nun sehr konkrete Körperlandschaften zu. Das Lustvolle ist geblieben.Seit jeher zeigen sich künstlerische Geister durch erotische Fantasien belebt. Nach früh-zeitlichen Darstellungen im anthropologischen Kontext von Fruchtbarkeitskulten beschränkt sich die Darstellung von Nacktheit im Altertum meist auf den mythologischen Bereich. Erst die Renaissance und ihre Neuentdeckung des menschlichen Körpers entmythologisieren die erotische Darstellung, die in der Ikonografie des Rokoko im 18. Jahrhundert explizit kulminiert. In gegenwärtigen Tendenzen findet diese Entwicklung ihre Steigerung. Man muss heute von einer Pornografisierung der Kunst sprechen, besser vom sexuellen Overkill in Gesellschaft und Kunst. Eben hier setzt Kristian Fenzls Reflexion an.Künstlerische MethodikDie Auswahl der Bildvorlagen für Paraiso folgt keinem zwingenden Prinzip. Kristian Fenzl vergrößert Frauenbilder unserer Zeit und überträgt sie als Schwarz-Weiß-Druck auf die Leinwand. Verwendung finden vorwiegend Fotografien aus dem anonymen Bildfundus erotischer Datenbanken. Durch digitale Bildbearbeitung der Artefakte und durch analoges Übermalen erzielt Fenzl Unschärfen. Er ordnet die übermalten Figuren den Landschaften früherer Jahre zu, die gleichfalls übermalt werden. Diese Di- und Triptychen werden mit einem monochromen Schleier überzogen. Die Mehrschichtigkeit von weißen und rosafarbigen Fakturen sorgt für Irritation und malerische Ambivalenz. Weiß symbolisiert die Unbeflecktheit der verschleierten Frau, Werke mit rosafarbigem Schleier stehen für das Inkarnat, für das Lustprinzip des Rokoko. Doch die paradiesisch anmutenden Körper entziehen sich dem Zugriff. Vom anonymen Lustobjekt werden die Frauen gleichsam zu kostbaren Preziosen, die dem Betrachter verborgen bleiben. Kristian Fenzl evoziert so den voyeuristischen Blick, er entschärft ihn aber zugleich mit subtiler Manier. Seine Werkzeuge sind Lacke. Fein gelöst werden sie direkt aus der Dose gespritzt, dann wieder verdichtet in Strängen oder akribischen Farbteppichen angelegt. Fenzl lässt Farben in Rinnsalen ineinander fließen, vermischt sie zu amorphen Kleksen. Die freie Geste ist wesentlich.Zur RezeptionKristian Fenzl steht wie andere Maler seiner Generation im Kontext der internationalen Entwicklung. Die Liste jener, die sich vor dem Hintergrund von erotischer Entgrenzung oder Pornografisierung der Gesellschaft mit Nacktheit befassen ist lang. Sie reicht vom Spätprotagonisten der Popart Mel Ramos bis zum Großmeister des Schocks Jeff Koons.Auch Arnulf Rainer bedient sich im Zyklus Nackt durch die Jahrhunderte (2003) durch Übermalung historischer Frauenfiguren genussvoll der Erotik. Dagegen zitiert Fenzl in Paraiso keinerlei historischen Kontext. Er ist auch nicht an psychologisierender Darstellung von seelischen Zuständen interessiert.Die neue Serie von Kristian Fenzl verweist nun auch mehr auf das Werk von Gerhard Richter, der die Methode der Übermalung seit Jahrzehnten immer wieder anwendet. Richters fotorealistische Abmalungen zeigen vor allem in den Meereslandschaften manifeste Bezüge zur deutschen Romantik. Doch Fenzls Interesse gilt nunmehr auch nicht mehr der Landschaft, die er übermalt und den Ganzkörperportraits aus gestalterischem Impetus heraus beiseite stellt. Die Protagonistinnen von Paraiso folgen somit weder Geschichten der Historie noch einem Topos. Sie wirken auf uns kontextlos. Kern des Fenzlschen Œuvres bleibt die Projektion von Sehnsüchten. Auf die Suche nach der Ideallandschaft ist ein Entlarven der heutigen Gesellschaft in ihrer Suche nach dem Ideal ewiger Jugend und Schönheit gefolgt. Auch Maler und Betrachter können sich diesem Ideal hingeben. Und sich selbst dabei ertappen, wie schuldbewusst man in einer bigotten Gesellschaft mit sexuellen Themata umgeht.Bernhard BartaMag. Dr., Studium der Kunstgeschichte und Kunstpädagogik in Salzburg und Linz. Mehrere Jahre tätig für das Kunst Haus Wien und das Lentos Kunstmuseum Linz. Seit 2003 freier Autor, Kurator und Kunstjournalist. Mitglied des Kuratorenteams der Oberösterreichischen Landesausstellung Salzkammergut 2008. Zahlreiche Publikationen, u.a. Das Malschiff Österr-eichische Künstlerkreise der Zwischenkriegszeit (2007), sowie Künstler & Kaiser im Salzkammergut (2008) und Linz Panorama der Kulturhauptstadt (2009) im Christian Brandstätter Verlag.
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Pionierarbeit im Bereich Design Nach Absolvierung meiner schulischen Ausbildung war ich als freischaffender bildender Künstler autodidaktisch tätig. Gleich nach dem anschließenden Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien kam ich als Postgraduate-Stipendiat an die Universität Stellenbosch in Südafrika. Während meiner Studienzeit hatte ich schon viele außereuro-päische Länder auf eher abenteuerliche Weise bereist, so daß es keine besonderen Berührungsängste mit exotischen Ländern gab. Mein Diplom hatte ich dem Thema Brille und Objektbilder gewidmet. Im Rahmen meines Postgraduate-Studiums in Stellenbosch war es daher naheliegend, mich auch hier mit diesen Themen weiter zu beschäftigen. Der Mittelpunkt dieser Auseinandersetzung war bezogen auf die funktionellen, ergonomischen und sozio-kulturellen Gegebenheiten in Bezug auf Brillen für negroide Ethnien. 1975 wurde ich als Lehrbeauftragter an die damalige Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz engagiert. 1976 erfolgte dann die Berufung als Hochschulassistent. Ab dieser Zeit beschäftigte ich mich erstmals intensiv mit dem Thema Design. Einen meiner ersten großen Aufträge, die Neugestaltung der VOEST-Straßenwalzen, verdankte ich meinem damaligen Chef und Freund Helmut Gsöllpointner. Bis zu diesem Zeitpunkt (1976) war die Vorgangsweise bei Designprojekten von Investitionsmaschinen nur nach den vom Techniker bestimmten sogenannten technisch-funktionalistischen Vorgaben bestimmt und es war eigentlich unüblich, einen Designer einzubinden. Oberste Priorität war die problemlose Bewältigung aller geforderter technischen Leistungen. In diesem Fall wurde vom Designer einfach nur erwartet, im Sinne des amerikanischen marketingorientierten STYLING das Gerät einfach äußerlich etwas zu verschönern. Design als funktionelle SkulpturNachdem die Walzen technisch vollkommen neu konzipiert werden sollten, hatten wir die Möglichkeit, von Anfang an und in allen Bereichen mitzuarbeiten. Erstmals konnten wir unser BRIEFING selbst erstellen, das heißt, eine Grundlagenforschung auch aus unserer Sicht erarbeiten. Wir, Studenten, der Sozialpsychologe Norbert Minkendorfer und ich, analysierten nicht nur den IST-Zustand auf technische und ergonomische Vor- und Nachteile (der VOEST-eigenen und Konkurrenzprodukte), sondern, und das war glaube ich wirklich Neuland in einer Produktentwicklung für Investitionsmaschinen, wir machten eine richtige FELDFORSCHUNG! Es entstanden aufgrund der Vorarbeiten verschiedene Vorentwürfe, in denen nicht nur die eigentlichen technischen Funktionen in verschiedenen Varianten gezeigt wurden, sondern auch das Objekt selbst als künstlerisches Objekt nämlich als funktionelle Skulptur dargestellt wurde. Diese Entwürfe wurden nun den Walzenfahrern gezeigt und eine Menge Fragen diskutiert, Wir fuhren selbst mit den Straßenwalzen und hinterfragten alle Details. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen wurde ein Fragebogen erstellt, in dem die wesentlichen Fragen bei den relevanten Zielgruppen geklärt werden sollten. Zu den Zielgruppen gehörten nicht nur Einkäufer von diversen Baufirmen, sondern auch das Bedienpersonal, d.h. die Poliere und Walzenfahrer selbst. Bei diesem Fragebogen dienten nicht nur (wie bei üblichen Marketingbefragungen) vorhandene Produkte als Vergleichsmaßstab, sondern auch die von uns durch viele Anregungen und Diskussionen entstandenen Neukonzeptionen und möglichen SOLL-Zuständen in Form von dreidimensionalen Zeichnungen und variantenreichen technischen Fragen zu neuen Lösungen. Nach Auswertung der Fragebögen hatten wir aus verschiedenen Ansätzen einen theoretischen S0LL-Zustand, ein Konglomerat, das dann in die Praxis in Form umgesetzt werden mußte. Unsere Aufgabe war es, mit Hilfe der Techniker ein Optimum zwischen Wirtschaftlichkeit und einem humanen und ergonomisch gut durchdachten Arbeitsplatz zu entwickeln, der nicht nur technische und materielle Funktionen erfüllt, sondern auch Mittel zur Kommunikation ist, einen Zeichencharakter darstellt und der ästhetischen (künstlerischen) Funktion gerecht wird. Im Frühjahr 1979 wurde ich, nachdem die Straßenwalze der VOEST in allen wichtigen Fachzeitschriften publiziert war, von der Feuerwehrtechnikfirma Rosenbauer beauftragt, ein völlig neues Konzept für FIughafenlöschfahrzeuge mitzugestalten. Der ROTE HAHN, die größte, nur alle fünf Jahre stattfindende, internationale Messe in Hannover für Feuerwehrtechnik, stand eineinhalb Jahre bevor und der neue Rosenbauer-Chef, Julian Wagner, wollte mit dem sogenannten SIMBA-Projekt neue Maßstäbe setzen, koste es, was es wolle. Nach bewährtem Muster machten wir uns an die Arbeit, erhoben den IST-Zustand und definierten wertanalytisch alle Funktionen je nach Priorität nach seinen praktischen, technischen Haupt- und Nebenfunktionen, seiner ästhetischen Funktion und seiner symbolischen Funktion. Neue, zum Teil utopisch wirkende, noch nie realisierte Möglichkeiten der funktionellen (radikale Verkürzung und Effektivität des Einsatzes) und semantischen Verbesserung (Identifikationen der damals eher paramilitärischen Einsatztruppe) wurden als Alternativlösungen wieder in Form dreidimensionaler Darstellungen und spezifischer technischer Varianten in den Fragebogen eingebunden. (Man muß sich vorstellen, daß damals diese Einsatzfahrzeuge eher rot lackierten Milchwagen glichen, an dem ein Wasserwerfer händisch bedienbar am Dach befestigt war!) Diese Fragebögen wurden an die wichtigsten Flughäfen der Welt gesandt und wir erhielten einen Großteil mit interessanten und guten Anregungen zurück. So ergaben sich wieder, wie beim Projekt VOEST-Straßenwalzen, eine Menge technischer Neuerungen und Patente, wie die Fernbedienung des Wasserwerfers von der Kabine aus und es konnte ohne wesentliche Erhöhung der Motorleistung für Antrieb und Pumpen die Einsatzzeit wesentlich reduziert werden. Trotz der damaligen Radikalität und Ungewohntheit in der Formensprache wurde innerhalb kürzester Zeit der SIMBA das international meist verkaufte Flughafenlöschfahrzeug der Welt! Ein wichtiger nächster Meilenstein war das Designprojekt für Extruder, Extrusionsnachfolge und Spritzgießmaschinen der amerikanischen Firma Cincinnati Milacron 1981/82. Unsere Erfahrungen mit der immer mehr perfektionierten Vorgangsweise von Grundlagenforschung, Funktionsanalyse bis zur Projektrealisierung kamen uns natürlich sehr gelegen und wir ver-suchten auch bei diesem Projekt unseren Grundsätzen treu zu bleiben und nicht nur die für uns relevanten technischen Funktionen wie Ergonomie und Servicefreundlichkeit zu verbes-sern, sondern auch die verborgene technische Qualität durch das äußere Erscheinungsbild wirken zu lassen. Ab Anfang der 80er Jahre reihte sich dann Projekt an Projekt und meine Leistungen wurden durch die Berufung zum Professor 1983 belohnt. Für den Feuerwehrspezialisten Rosenbauer war ich über 30 Jahre für die verschiedensten Projekte tätig und es freut mich, daß diese Firma im Laufe der Zeit unter ursprünglich vielen internationalen Mitbewerbern nun weltweit zur Nummer EINS geworden ist. Auch anderen Firmen - wie der nunmehr weltwichtigste Kunststoff-Spritzgießmaschinen-Hersteller Engel in Schwertberg, ebenso wie der weltbeste Schweißmaschinenhersteller Fronius in Wels und vielen anderen mehr - ist klar geworden, daß nicht nur die rein technischen oder ergonomischen Funktionen im Laufe des Designpro-zesses verbessert werden konnten, sondern sich oft auch die Kosten reduzierten. Es wurden auch eine ganze Reihe anderer Funktionen erfüllt, die auf ästhetischem, semantischen und symbolischen Weg kommunikativ wirken. GUTE FORMEN heben nicht nur das Image der Firma und verbessern die Produktqualität, sie verleihen dem Benützer auch ein höheres Selbstwertgefühl und vermitteln eine größere Identifikation mit der Arbeit und dem Arbeitsplatz.Kristian Fenzl, 2000zurück
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Künstler Gestalter Forscher 1984 gründete Kristian Fenzl mit dem Ethnologen Fritz Trupp und dem Sozialpsychologen Norbert Minkendorfer in Linz das interdisziplinäre Institut für Ethno-Design. In Zusammen-arbeit mit Künstlern, Architekten und Sozialforschern wurden künstlerische Äußerungen und Gestaltungsformen bei verschiedenen Ethnien untersucht, die in den Designprozess einflossen. Die rasche Veränderung überlieferter Traditionen beschreibt Fritz Trupp, der als Ethnologe im interdisziplinären Team Institut für Ethno-Design mitarbeitet, folgendermaßen:Viele Ethnien haben ihre Traditionen im Zuge der großen ökonomischen und gesellschaftli-chen Umwälzungen aufgegeben. In dem Ausmaß, in dem sich das althergebrachte Wertsys-tem änderte, wandelten sich auch die künstlerischen Äußerungen dieser Volksgruppen. Dabei kam es vielfach zur Auflösung der ursprünglichen Stammeskunst und es entstanden neue Formen künstlerischen Schaffens. Jetzt wird nicht mehr oder nicht nur für den eigenen Markt produziert (Hausrat, Architektur, Ritualobjekte), sondern für einen fremden Markt (Touristen-kunst). Es ist interessant zu beobachten, dass bei diesen neuen künstlerischen Äußerungen die alte Kreativität nicht unbedingt verloren gegangen ist. Dies zeigt sich beispielsweise, wenn die Herero von Botswana aus leeren Bierdosen ihre Hütten im alten Stil errichten oder die Kinder aus Schuhcremedosen, alten Zeltstangen und Draht Spielzeugautos herstellen.Der Ausgangspunkt Kristian Fenzls Studienreisen war quasi das Stipendium an die Univer-sität in Stellenbosch/Südafrika, das Kristian nach Studien-abschluss absolvierte. Als Künstler und Designer erforschte er in zahlreichen Reisen in den 70iger Jahren Nord- und Mittelamerika, Indien und den Nahen Osten.Kristian Fenzl ist aber kein Spezialist auf einem engen Fachgebiet, sondern Kosmopolit in der Kunst aber auch in seiner Lebenseinstellung, mit der er aufgewachsen ist: Sein Vater, der Steyrer Optiker Alfred Fenzl galt schon in den 50iger Jahren als ausgewiesener Forscher und Sammler außereuropäischer Kunst, der z.B. als Fotograf die Dokumentarfilmerin Leni Riefen-stahl auf die erste Reise nach Schwarzafrika begleitete. Darüber hinaus ein Onkel in Tunesien als Agrarfachmann, ein Onkel in Brasilien als Bautechniker, die er wiederholt besuchte und die ihn in seiner Jugend und Entwicklung beeinflussten. Umgeben von Kuriositäten und Ethno-Kunst zeichnet, malt Kristian und lässt auch eine außergewöhnliche Befähigung zum Gestalten erkennen.In den 80iger Jahren mündeten gemeinsame Studienreisen mit den Mitbegründern des Institutes für Ethno-Design in Ausstellungsprojekten zur afrikanischen Kunst der Dogon, der Makonde und anderer Ethnien Afrikas. Eines der vielen Studienprojekte war eine Forschungsreise in Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde und der Universität Wien (Prof. Dr. Armand Duchateau) nach Irian Jaya (West-Papua Neu-Guinea). Neben Kristian Fenzl waren Helmut Gsöllpointer (Prof. an der Kunstuniversität Linz) und Fritz Trupp, Ethnologe, Teilnehmer dieser Expedition, die über Wasserwege in sonst unzugängliches Gelände führte. Es handelt sich territorial um ein riesiges, sumpfiges Flusslabyrinth mit einer gut 200 Kilometer langen Mangrovenküste. Eine Besonderheit lag darin, dass die Flüsse strömungsumgekehrt werden, da die Gezeiten bis zu 100 Kilometer ins Landesinnere hineinwirken. Diese Region, etwa von der Größe Belgiens, wird von den Asmat bewohnt, einer ursprünglich schriftlosen Bevölkerungsgruppe. Der größere Teil der Asmat-Sammlung des Museum in Schmiding OÖ wurde bei dieser Expetition erworben. Einige seltene Objekte kamen in das Völkerkundemuseum in Wien.Gebrauchsgegenstände im öffentlichen Bereich, ästhetische Bedürfnisse im Alltag: Der alltägliche, öffentliche Bereich ist ein interessantes Gebiet für Feldbeobachtungen in den einzelnen Ländern. Ansprüche an die Formgebung von Alltagsgegenständen sind sehr unterschiedlich und landesspezifisch. In Westeuropa schätzt man eine einheitliche moderne Gestaltung im öffentlichen Bereich. Telefonzellen, Abfallbehälter und die Straßenbeleuchtung werden weitgehend einheitlich in modernem Styling ausgeführt. Viel Fantasie hingegen beweisen die Brasilianer bei der Gestaltung ihrer Telefonzellen in Amazonien. In der brasilianischen Stadt Belem kann man sie in Form einer natürlichen Muschel bewundern (während sie anderswo als einfache Schalen ausgeführt sind) oder sie finden sich in Form eines farbenprächtigen Papageis, der Schutz vor dem häufigen tropischen Regen bietet. In China hingegen sind so profane Gegenstände wie Abfallbehälter an das Haus angepasst, bei dem sie stehen. Ob gegenüber einer Pagode oder vor der chinesischen Mauer, jeder Behälter bekommt ein eigenes Design. Während in unserer Vorstellung von China lange Zeit die Uniformität der Menschen vorherrschte, der Einheitslook, gedieh im Kleinen ein Formen- und Farbenreichtum. Schon in der Kleidung der Kinder bevorzugt der Chinese leuchtende Farben und ausgefallene Kleidungsstücke, indem er Individualität auf den Nachwuchs projizierte.1996, 1997 wurde in der Neuen Galerie der Stadt Linz eine umfangreiche Dokumentation zur Kunst und Kultur der Makonde aus dem südlichen Afrika präsentiert. Die Makonde leben beiderseits des Ruvuma-Flusses an der Grenze zu Mosambik und Tansania. Leihgaben des Staatsmuseums in Maputo, Mosambik und Exponate des Livingstone-Museums in Sambia vervollständigten die Dokumentation. Aber auch die zeitgenössische Kunst war ihm immer ein Anliegen, Inspiration. 1987 erwarb er ein historisches Industrieprojekt in Steyr und fast 15 Jahre lang reihte sich eine Ausstellung an die andere von Ethnokunst bis zu Einzelausstel-lungen von Christian L. Attersee, Peter Sengl, und Hans Staudacher, um nur einige bekannte Namen zu nennen.Kristian Fenzl war immer ein Rastloser, Suchender, Schaffender und hat sich wie die vielen Ausstellungen im In- und Ausland zeigen, zunehmend in der Abstraktion verwirklicht. Wie viele Naturwissenschafter am Ende ihrer Forschung den Weg zur Philosophie finden, so hat Kristian Fenzl in seinem Schaffen den Bogen vom Design, dem Gegenständlichen zur bilden-den Kunst gespannt. Form Follows Function ist ein Kernsatz des Designs, der die Gestaltung unter das Diktat der Funktion stellt. Mit der bildenden Kunst hat er eine Tür geöffnet, die seine Kreativität nicht mehr begrenzt, sondern unendliche Möglichkeiten eröffnet. Letztlich gehen Künstler, Schriftsteller und Philosophen nie in Pension. Bei Kristian Fenzl liegt der gestalteri-sche Schwerpunkt auf der Farbe. Ein Fenzl-Fest der Farben hat Andreas Strohammer vom Lentos Kunstmuseum, Kurator der groß angelegten Werkschau Landscapes im Linzer Stadtmuseum 2006 diesen Stil genannt. Kristian Fenzls Bilder vermitteln Stimmungsbilder und Lebensfreude, die jeden Besucher seiner Ausstellungen einnehmen und beeinflussen.Norbert Minkendorfer 2009zurück
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Kamerun und die Leidenschaft des Kristian Fenzl Kristian Fenzl ist ein höchst rationaler Mensch. Die Rationalität wird in sehr guter Weise von der marxistisch-leninistischen Soziologie untersucht. Das im Jahre 1990 von Aresin et al. in Ostberlin herausgegebene und somit als Letztfassung anzusehende DDR-Lexikon der Humansexologie verzeichnet dennoch den Begriff der Leidenschaft. Demnach ist Leidenschaft eine heftige Gefühlswallung im Zusammenhang mit einer Sache, einer Situation oder einer Person, die durch die Qualität des Begehrens und Besitzen-Wollens gekennzeichnet ist.Wie bei keiner unserer vielen anderen Reisen trat diese Qualität bei Kristian Fenzl bei der Kamerunreise am stärksten auf. Und das kam so:Auf die Reise zu den Dogons in Mali 1983 mit einem auf Ethno-Psycho-Analyse gerichteten Interesse folgte im Juni 1984 die Reise nach Kamerun wegen eines Interesses an den kleinen Menschen, den Bagyeli-Pygmäen, bei welcher Kristian Fenzl zuerst hoch hinaufkam und dann tief hinunter. Wir hatten eben unser Hauptquartier in einem alten Hotel, einem ehemaligen Anlaufpunkt von Elfenbeinschmugglern, am Strand von Kribi bezogen und noch in derselbigen Nacht gab sich Kristian Fenzl völlig den Wellen hin, lieferte sich ihnen nahezu rauschhaft aus, um von diesen Wellen meterhoch über uns, die wir so auch zu kleinen Menschen geworden waren, hochgetragen zu werden.In den nächsten Tagen sind wir dann tatsächlich nach abenteuerlicher Flussfahrt und langem Pfadmarsch zu den kleinen Menschen gekommen und Kristian Fenzl war es möglich, viele Bilder zu machen, darunter Bilder von erstaunlichen Launen der Natur: Homoscapes wie vom Mann mit den zwölf Fingern, vom Mann mit dem doppelreihigen Gebiss, dem Mann mit dem Elefantenfuß. Aber nicht nur diese Mutationen der Anthropomorphologie waren es, auf die Kristian Fenzl sein Interesse gerichtet hatte. Noch anderes wollte er abbilden. Kamerun war zufolge der Kongo-Konferenz von Berlin von 14.7.1884 bis 4.3.1916 deutsches Kolonialgebiet gewesen und es entstanden in dieser Zeit prächtige Kolonialbauten. In Kribi waren zwei davon bestens erhalten geblieben. Und diese prächtigen Schönheiten weckten natürlich in Kristian Fenzl die Leidenschaft, die Leidenschaft als Künstler. Und wieder wurden Bilder gemacht. Plötzlich - ja nahezu aus dem Nichts wie in einem afrikanischen Zauber, wie die Jengi-Geister der Pygmäen - waren wir von Soldaten umstellt, von Maschinenpistolen bedroht, in einen verdunkelten Wagen verfrachtet und abtransportiert. Wir wurden dem Provinzgouverneur vor-geführt und von dessen chinesischem Militärberater der terroristischen Söldnerei beschuldigt. Zwei Tage zuvor war auf die von Kristian Fenzl abgebildete Kolonialvilla, die jetzt Wohnsitz des Provinzgouverneurs, seiner Frau und seiner vielen Kinder war, ein fehlgeschlagener Sprengstoffanschlag verübt worden. Die Zeiten waren politisch unruhig. Paul Bija folgte Ahmadou Ahidjo als Staatspräsident, innerhalb der Einheitspartei UNC Union Nationale Camerounaise war es zu Auseinandersetzungen gekommen, die zum Staatsstreichversuch vom 6. April 1984 führten. Dieser Putschversuch war blutig niedergeschlagen worden, in der Folge kam es zu 190 Hinrichtungen. Und nun zwei Monate später unser terroristisches Vorhaben gegen die Familie des Provinzgouverneurs, einem Gefolgsmann Paul Bijas, welches als ersten Schritt das Ausspionieren der Villa zum Ziel hatte. Der im Verhör von Kristian Fenzl abgegebenen Erklärung für seine abbildende Leidenschaft, er sei Künstler, ja sogar Professor an einer Kunsthochschule, nur an der Kunst interessiert, nur in der Kunst tätig, wurde kein chinesischer Glaube geschenkt. Unsere Kleidung - die damals üblichen Militärhosen als Safarihosen verwendet - stand in unauflösbarem Widerspruch zum Wort des Kunstprofessors. Schon sahen wir uns verloren, eingekerkert an einem unbekannten Orte auf die Aburteilung wartend. Vor all diesem befürchteten Übel bewahrt hat uns die das Verhör abschließende Frage des bis dahin schweigsam zürnenden Provinzgouverneurs selbst, ob wir diplomatischen Status hätten, eine Formalitätsfrage, die zu stellen ihm aus seiner offen-sichtlich in Frankreich angediehenen Ausbildung in Erinnerung geblieben war. Unter Vorlage eines Rot-Kreuz-Ausweises Carte d identité Croix-Rouge Autrichienne mit dem Vermerk Nous prions toutes les autorités civiles et militaires ... toute protection behauptete ich für uns die Rechtsgarantien des Völkerrechtes, des Roten Kreuzes und der Vereinten Nationen und behauptete ich die Richtigkeit und Wahrheit: Kristian Fenzl ist ein bedeutender Künstler!Und da Kristian Fenzl ein bedeutender Künstler ist, folgte der Provinzgouverneur nun dem Diplomatischen Protokoll. Wir wurden höflich eingeladen, an einer extra für uns abgehaltenen Vorlesung über nach der Rechtsordnung Kameruns zulässigen und unzulässigen Anfertigung von Abbildungen teilzunehmen. Und Kristian Fenzl wurde höflich eingeladen, alle seine Bilder - also auch die bei den kleinen Menschen angefertigten - abzugeben. Weg waren sie und weg waren wir auch nach der Lehrveranstaltung. Doch wie es so ist mit der begehrenden Leidenschaft: kaum zieht sie sich verschreckt zurück, richtet sie sich schon mit neuer Kraft wieder auf. Kristian Fenzl brauchte wieder Bilder.Und das mit den neuen Bildern kam so: Im alten Herrn Paul fand Kristian Fenzl einen Licht-bildner, der noch die deutsche Kolonialschule besucht hatte, der Erinnerungen an die deut-sche Sprache hatte und der so nach schnell geführten Verhandlungen bereit war, seine Bilder gegen Filmmaterial einzutauschen. Diese Bildersammlung umfasste 50 Jahre Ortsgeschichte: Hochzeiten, Feste, Unglücksfälle, Hinrichtungen und für den Künstler von besonderem Inter-esse furchterregende Missbildungen und schönste Frauenportraits mit den unglaublichsten Frisuren. Eine Sammlung, die nicht einmal das Kolonialmuseum in Amsterdam aufzuweisen hat. Kristian Fenzl hatte nun einen Schatz von Bildern, von denen seine Linzer Freunde aber nie eines zu sehen bekam. Und das kam so: Rückflug von Kribi nach Douala. Der Propeller-flieger startbereit auf der Piste, wir einstiegbereit. Plötzlich - ja nahezu aus dem Nichts wie in einem afrikanischen Zauber, wie die Jengi-Geister der Pygmäen - waren wir von Soldaten umstellt, von Maschinenpistolen bedroht: Der chinesische Militärberater befahl die Durch-suchung unseres Gepäcks nach Waffen. Kein Waffenfund, aber ein Bilderfund! Kristian Fenzl wurde höflich eingeladen, alle seine Bilder abzugeben. Die Darstellungen von Hinrichtungen und von Missbildungen schaden dem Ansehen Afrikas in der Welt. Weg waren sie und weg waren wir dann mit dem Flieger ohne Bilder auch.Doch wie es so ist mit der begehrenden Leidenschaft: kaum zieht sie sich verschreckt zurück, richtet sie sich schon mit neuer Kraft wieder auf. Kristian Fenzl brauchte wieder Bilder. In Douala waren aber keine Bilder zu bekommen und so kaufte Kristian Fenzl dann Blechspiel-zeug. Dieses Spielzeug transportierte er in einem riesigen Koffer durch die Straßen Doualas. Plötzlich - ja nahezu aus dem Nichts wie in einem afrikanischen Zauber, wie die Jengi-Geister der Pygmäen - waren wir von Soldaten umstellt, von Maschinenpistolen bedroht. Der ver-meintliche Waffenhändler Kristian Fenzl wurde befragt, was er in dem Koffer transportiere. Der von Kristian Fenzl abgegebenen Erklärung, er transportiere im riesigen Koffer Kinderspiel-zeug, wurde kein Glaube geschenkt: Militärhose und Kinderspielzeug! Der Koffer wurde ab-genommen, durchsucht. Kein Waffenfund, aber ein Spielzeugfund! Bestimmt haben die Linzer Freunde bei Kristian Fenzl schon einmal afrikanisches Kinderspielzeug gesehen, denn das Kinderspielzeug durfte er behalten. So wurde die Kamerunsche Leidenschaft des Kristian Fenzl dann doch noch gestillt.Kristian Fenzl ist ein bedeutender Künstler. Wie viele andere bedeutende Künstler auch hat er im Laufe seines bisherigen Lebens vielfache Wandlungen durchgemacht. War es ihm vor 25 Jahren in Kamerun ein Ärgernis, dass seine Bilder weg waren, so ist es ihm heute eine Freude, wenn seine Bilder weg sind - allerdings durch Ankauf und nicht durch Enteignung.Wegen seiner künstlerischen Leidenschaft sind wir dann später nochmals nach Afrika gereist und haben den Museumsdirektor in Livingstone (Sambia) besucht. Der war aber kein Künstler, sondern ein Ornithologe. Dass der frühere Künstler-Museumsdirektor, mit dem Kristian Fenzl einen Besuch zum Wissenstransfer vereinbart hatte, nicht mehr Museumsdirektor war, und Kristian Fenzl wegen seiner Leidenschaft dann trotzdem vom Ornithologen-Museumsdirektor ein bedeutendes Kunstwerk als Leihgabe erhielt, kam so: ... aber das ist eine andere Geschichte. Albert Holzbauerzurück
vita
Curriculum Vitae Geboren 12.10.1946 in Wels, OÖAufgewachsen und Schulen in Steyr, OÖ1967 / 68 Internationale Sommerakademie für bildende Kunst, Salzburg1969 - 1974 Akademie für angewandte Kunst Wien 1974 Diplom1974 verheiratet mit Veronika1975 Post-Graduate-Stipendium an der Universität Stellenbosch / RSA Dept. of Creative Artsseit 1976 Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ, Linz1976 -1983 Assistent an der Hochschule für Gestaltung in Linz1984 Gründung des Institutes für Ethnodesign (zahlreiche Publikationen)1999 Gastprofessor an der Universität Belem / Brasilien seit 1983 Professor an der Kunstuniversität Linz2000 - 2007 Leiter der Abteilung für Wissentransfer an der Kunstuniversität Linz2003 - 2008 Universitätsrat an der Universität für angewandte Kunst Wien2007 - 2009 Vorstand Stv. des Institutes für Raum und DesignAusstellungen1967 & 1968: Festung Hohensalzburg, Salzburg / Österreich (Ausstellungsbeteiligung)1968: Galerie Kunstverein Steyr / Österreich1972: Museum fur angewandte Kunst, Wien / Österreich (Ausstellungsbeteiligung)1979: Hochschule fur Gestaltung, Linz / Österreich (Ausstellungsbeteiligung)1980: Museum des 20. Jahrhunderts, Wien / Österreich (Ausstellungsbeteiligung)1982: Wehrgrabenprojekt Galerie Schnittpunkt, Steyr / Österr. (Ausstellungsbeteiligung)1984: Schloss Tyllisburg bei St. Florian / Österreich (Ausstellungsbeteiligung)1985: Der Baum Der Wald, Galerie Maerz, Linz / Österreich (Ausstellungsbeteiligung)1987: Die Arbeit Die Kunst, Hackwerke, Steyr, OÖ (Ausstellungsbeteiligung) / Österreich1990: Österreichische Kunst 1900-1975, Ö. Galerie zu Gast im Schloss Halbturn / Österreich1976 2005: zahlreiche Ausstellungen im Bereich Skulptur und Design2005: Galerie in der GIWOG, Leonding bei Linz / Österreich2006: Nordico Museum der Stadt Linz / Österreich Die Hamburger Galerie, Hamburg / Deutschland Hamburger Privatmuseum fur außereuropäische Kunst, Windach/Ammersee / Deutschland Ehemaliges Benediktinerkloster Garsten (JA) / Österreich Centre d'art s'estacio, Sineu, Mallorca / Spanien Galerie Schloss Lamberg Steyr / Österreich2007: Galerie in der ehemaligen Tuchfabrik, Linz / Österreich Galerie Käthe Zwach, Schörfling/Attersee / Österreich Galerie Hipphalle Gmunden / Österreich Galerie des Goethe-Instituts, Kyoto / Japan Galerie Flohr, Santanyi, Mallorca / Spanien2008: Galerie Schloss Parz / Österreich New Century Artists, Inc., Chelsea, New York, USA Humble_rt Gallery, Brussel, Belgien Galerie Boehner, Mannheim, Deutschland Galerie Glaskasten, Bauhaus-Universität Weimar, Deutschland Österreichisches Kulturinstitut in der Österr. Botschaft, Buenos Aires, Argentinien Galerie Flohr, Santanyi, Mallorca / Spanien Galerie Aspelia, Larnaca / Zypern2009: Empire Art Galeria, Palma, Mallorca / Spanien Liviv Art Gallery / Ukraine2010: Galerie MAERZ, Linz / Österreich (Ausstellungsbeteiligung) Galerie Llaneras, Santanyi, Mallorca / Spanien Galerie Sailer, Santanyi, Mallorca / Spanien2011: Nit de l´art, Palma / Mallorca Galeria Berlin, Palma / Mallorca Galerie Flohr, Mallorca / Spanien Galerie Golub, Wien / ÖsterreichPreise und Auszeichnungen1967 + 1968 Ehrenpreis der Stadt Salzburg für bildende Kunst / Österreich im Rahmen der Sommerakademie Salzburg1974 Preis der Hochschule für angewandte Kunst Wien / Österreich Kunstankauf des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst1980 - 2004 zahlreiche internationale Publikationen und Preise im Bereich Design1983 Staatspreis der Republik Österreich für Innovation1991 Österreichischer Staatspreis für Design1992 Kunstwürdigungspreis der Stadt Linz, OÖ1999 Kulturmedaille der Stadt Linz, OÖ2002 Ehrendoktorat
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